Fokus Künstler

LESUNG

Das Faustbüchl

nach Goethes Faust I. von Alois Grasmayr

Termin: Donnerstag, 18. april 2013, 19 Uhr

in den Räumen der Gesellschaft für Musiktheater
1090, Türkenstraße 19/Lift


Alois Grasmayr

Als Sohn eines Kleinbauern am 28. März 1876 in Hohenzell bei Ried/Innkreis geboren, durfte er wegen seiner außerordentlichen Lernleistungen in Ried das Gymnasium bzw. die Lehrerbildungsanstalt in Salzburg besuchen. Nach fast 20 Jahren als Aushilfslehrer im Salzburger Land erhielt er eine fixe Lehrerstelle in St. Nikola an der Sölk. Mit 35 Jahren lernte er Magda, eine der fünf Töchter des Großindustriellen Mautner-Markof kennen, die nach anfänglichem Widerstand ihrer Familie die Erlaubnis zur Heirat erhielt: sie wurde großzügig "ausgesteuert" und hatte nur mehr den Namen Grasmayr zu führen. Alois Grasmayr war durch die Heirat zum reichen Mann geworden, war aber weiterhin als Lehrer tätig. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges übersiedelte das Paar nach Salzburg und kaufte ein kleines Schloss am Mönchsberg. Zur Absicherung des Vermögens seiner Frau erwarb Grasmayr das Hotel Bristol, das Hotel Stein, den Österreichischen Hof, das Gasthaus Blaue Gans und das Sternbräu; das restliche Vermögen wurde in der Schweiz angelegt. Grasmayr, überzeugter Pazifist, unternahm in der Zeit des Weltkrieges ausgedehnte Reisen u.a. in die U.S.A. und nach Kanada.
Nach Kriegsende kehrte das Paar nach Salzburg zurück. Grasmayr lebte als, wie er es nannte, Privatgelehrter, der sich insbesondere dem Studium der griechischen Mythologie, der Deutung Homers, der Bibel und Goethes "Faust" widmete. Sein Ziel war es, Goethes Werk  von der Hochsprache zu lösen und in eine für das "landläufige Volk" verständliche Form zu bringen. Seine Aktivitäten wurden durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen. Im Jahr 1944 starb seine Frau Magda, seine beiden ältesten Söhne fielen im Krieg in Russland, er selbst wurde von der Gestapo mehrfach inhaftiert und sollte wegen  Wehrkraftzersetzung vor den Volksgerichtshof. Es gelang  ihm  1945 die Flucht in die Schweiz - über die Umstände dieser Flucht hat er später nie gesprochen.
1948/49 zog sich Grasmayr wieder auf sein Schlösschen auf dem Mönchsberg zurück und vollendete sein in der Erzählform verfaßtes "Faustbüchl", das 1949 vom Silberbootverlag publiziert wurde. Von der Literaturszene wurde das Werk teils hoch gelobt, teils mit totaler Ablehnung bedacht, da Grasmayer Goethes Faust-Dichtung seines prunkvollen Kleides beraubt und es in ein Werktagsgewand gesteckt habe.
Der Privatgelehrte und Autor Alois Grasmayr verstarb am 11. März 1955.

Sepp Leitner

Der Erzähler des Faustbüchl wurde am 30. April 1941 auf einem Bauernhof in Innerschwand (bei Mondsee, Oberösterreich) geboren. Schon als Schulkind musste er am elterlichen Bauernhof mitarbeiten, sodass er  höhere Fachqualifikationen sowie Matura erst neben der  Tätigkeit bei den Österreichischen Bundesbahnen erwerben  und  damit die Position eines Personalbeamten, der für 120 Bedienstete zuständig war, erreichen konnte.
Sepp Leitner hat sich in all den Jahren intensiv mit neuerer Zeitgeschichte, mit Volkskunde und mit Mundartdichtung befaßt und im Eigenverlag zu den genannten Themen drei Broschüren publiziert.  Im Verlaufe seiner Sammeltätigkeit von  Mundartdichtung fiel ihm durch Zufall 1978 "Das Faustbüchl" in die Hände. Er war von der Klarheit und Leichtigkeit dieser Faust-Erzählung fasziniert und hat das Werk durch Lesungen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht.